Chiasmus
Syntaktische Stellung von kreuzweise aufeinander bezogenen Wörtern oder Redeteilen (z. B. groß war der Einsatz, der Gewinn war klein) [1]
Antonyme zu Chiasmus ist Parallelismus
Als Chiasmus (Kreuzstellung) bezeichnet man die (meist) spiegelbildliche Anordnung einander entsprechender Worte bzw. Satzglieder. Der Chiasmus präsentiert sich meist in der sogenannten a + b: b + a – Form. [2]
Die Funktion des Chiasmus zielt häufig auf die Verdeutlichung einer Antithese oder auf den hemmenden Abschluss einer Reihe von Parallelismen.
Das Chiasmus (Kreuzstellung, von griechisch χιασμός, chiasmós, „das Überkreuzen“, vom griechischen Buchstaben Chi) gehört als rhetorische Figur zu den Positionsfiguren, d.h. dieser Terminus sagt etwas aus über die Stellung der Wörter bzw. Satzglieder im Satz.
Beispiele:
Wagner in Goethes Faust sagt:
„Die Kunst ist lang und kurz ist unser Leben“ (Goethe: Faust Erster Teil, Vers 558 f.). [2]
Der Chiasmus ist ein Stilmittel, das uns vornehmlich in der Lyrik begegnet. Hierbei werden gleichwertige Wörter, Teilsätze oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet. Das bedeutet, dass der Chiasmus die beinahe spiegelbildliche Anordnung eines dieser Elemente im darauffolgenden Abschnitt beschreibt.
Das Wort ist vom griechischen Buchstaben Chi, also X, abgeleitet und ist uns in seiner lateinisierten Form bekannt. Denken wir an den Buchstaben X, wird im Eigentlichen recht deutlich, worum es beim Chiasmus grundsätzlich geht: nämlich um eine Kreuzstellung. Schauen wir dafür auf ein und einfaches Beispiel: Ich liebe die Sprache , die Sprache liebe ich. [3]
Hierbei fällt auf, dass sich die einzelnen Bestandteile des Satzes genau spiegelverkehrt nach dem Komma wiederholen (Subjekt, Prädikat, Objekt werden gewissermaßen zu Objekt, Prädikat Subjekt). Das Komma kann hierbei als Achse angesehen werden, die den Umbruch und die Wiederholung einleitet.
Um die Kreuzform noch stärker zu unterstreichen, machen wir aus unserem Beispiel doch einmal zwei Verse und lassen das Satzzeichen weg, um das Kreuz besser betrachten zu können.
Ich liebe die Sprache [3]
die Sprache liebe ich [3]
Dieses Beispiel ist recht simpel und besteht lediglich aus der Abfolge dreier Teilsätze.
Semantischer Chiasmus
Prinzipiell wurde beschrieben, dass es um die syntaktische Spiegelung bestimmter Elemente geht. Das heißt, dass Wörter, Teilsätze oder Sätze in unmittelbarer Abfolge kreuzweise entgegengesetzt angeordnet werden. Allerdings kann ein Chiasmus auch auf der semantischen Ebene beschrieben werden. Schauen wir hierfür auf ein Beispiel aus Friedrich Schillers Maria Stuart.
Ihr Leben ist dein Tod! Ihr Tod [ist] dein Leben!
Der Chiasmus wird oftmals genutzt, um gegensätzliche Behauptungen hervorzuheben (Antithese), da diese in der Kreuzstellung der jeweiligen Satzbestandteile noch deutlicher zum Vorschein kommen. Allerdings ist die Antithetik nicht zwingend erforderlich, sondern kann durch den Chiasmus lediglich verstärkt werden.
Folglich hat der Chiasmus eine verstärkende Wirkung auf das Gesagte oder Geschriebene, da durch die Wiederholung die eigentliche Aussage in den Vordergrund rückt. Eine ähnliche Funktion lässt sich mithilfe von Anapher und Anadiplose erzielen.
Hinweis: Das Gegenstück zum Chiasmus ist die Synchysis. Dieses Stilmittel bringt die Satzglieder nicht in eine Kreuzstellung, sondern bildet eine verbundene Wortfolge. [3]
Chiasmen finden sich, wie bereits erwähnt, in der Prosa sowie der Lyrik wieder. Das rhetorische Stilmittel Chiasmus gibt es nicht nur in der deutschsprachigen, sondern auch in der fremdsprachigen Literatur. Außerdem wird er sehr gerne bei politischen Debatten oder Reden sowie in der Werbung angewendet.
Gerade bei Debatten ist dieses Stilmittel sehr beliebt, da das Argument der Konkurrenz aufgegriffen und in das eigene umgewandelt werden kann.
Hierbei sollte man allerdings noch beachten, dass Chiasmen nicht zu oft verwendet werden. Es sind nicht mehr als zwei chiastische Sätze in einer Rede oder Debatte zu empfehlen, da diese sonst weniger seriös wirken könnte.
Die Funktion von Chiasmen ähnelt zudem der Anapher und der Anadiplose, da durch die Wiederholung die wesentliche Aussage des Textes in den Fokus rückt.
Chiasmus – Das Wichtigste [4]
Beim Chiasmus stehen die Wörter von zwei, meist hintereinander folgenden Sätzen, in einer entgegengesetzten bzw. spiegelverkehrten Anordnung (Kreuzstellung).
Er findet sich in der Prosa sowie in der Lyrik wieder.
Chiasmen werden gerne bei politischen Debatten bzw. Reden, in der Dichtung oder der Werbung eingesetzt.
Bei der Sonderform Epanodos werden die Satzglieder nicht nur gespiegelt, sondern auch dieselben Wörter verwendet.
Der semantische Chiasmus funktioniert auf der Bedeutungsebene, da es nur inhaltlich zu einer Kreuzstellung kommt, aber nicht beim Satzbau selbst.
Chiasmen werden vorwiegend verwendet, um Gegensätze und Inhalte so genau wie möglich weiterzugeben und Satzbestandteile noch mehr hervorzuheben. [4]
⠀ Chiasmus. DUDEN Wörterbuch. – Ressource: https://www.duden.de/rechtschreibung/Chiasmus
⠀ Chiasmus. Lernhelfer. – Ressource: https://www.lernhelfer.de/schuelerlexikon/deutsch-abitur/artikel/chiasmus
⠀ Chiasmus. Wortwuchs. – Ressource: https://wortwuchs.net/stilmittel/chiasmus/
⠀ Chiasmus. Studysmarter. – Ressource: https://www.studysmarter.de/schule/deutsch/rhetorische-stilmittel/chiasmus/