Computerlexikographie
Als Computerlexikographie bezeichnen wir Lexikographie mit dem Computer und für den Computer. Die lexikographische Arbeit gestaltet sich umfangreich und datenintensiv, so dass maschinelle Unterstützung dieses Prozesses unerlässlich ist. Lexikographen werden bei der Erhebung, Bearbeitung, Darstellung und Verarbeitung lexikographischer Daten unterstützt. Wörterbuchbenutzern wird der elektronische Zugriff auf die für sie relevanten Daten ermöglicht. Schließlich benötigen sprachverarbeitende Systeme lexikalische Ressourcen, welche verarbeitungsrelevante lexikalische Informationenüber ein Inventar von Wörtern einer oder mehrerer Sprachen zur Verfügung stellen.
Computerlexikographie umfasst daher nicht nur die konkrete Erstellung von Wörterbüchern, also das Verfassen von Lexikonartikeln oder Einträgen, sondern auch die theoretische Auseinandersetzung mit Lexikonmodellen und Wörterbuchstrukturen sowie die Abschätzung der Anforderungen, die an einen bestimmten Lexikontyp gestellt werden. Aufgrund der Dynamik und Wechselwirkung dieser Entwicklungen sind die Möglichkeiten der Computerlexikographie noch längst nicht ausgeschöpft. Dieses Buch gibt einen einführenden Überblick über das Feld und orientiert sich dabei am Stand der Forschung.
Die Strukturierung lexikalischer Information im Wörterbucheintrag setzt voraus, dass auf der Basis einer Eintragsspezifikation, welche die Angabetypen und Klassifikationskriterien festlegt, eine geeignete Auswahl relevanter Worteigenschaften beschrieben wird. Diese Beschreibung unterliegt gewissen Anordnungs- und Aufbereitungskonventionen, welche zusammen die Artikelstruktur kennzeichnen. Eine standardisierte Artikelstruktur ist nicht nur für den menschlichen Benutzer hilfreich, sondern auch Voraussetzung für die Transformation der Angaben im Wörterbucheintrag in die Struktur einer lexikalischen Datenbank. Dies ist das Ziel des Wörterbuchparsings, das die Struktur standardisierter Wörterbuchartikel in Printwörterbüchern nutzt, um die dort vorhandenen Angaben in digitalisierte lexikalische Datenbanken zu übernehmen. Wir gehen in Kapitel 5 auf diese Aspekte ein und stellen eine Initiative vor, die das Ziel hat, Artikelstrukturen in elektronischen lexikalischen Ressourcen zu standardisieren. [2]
Computer, wissenschaftliche Lexikographie und Wörterbuchforschung Bisher wurde der Einsatz von Computern (oder: Rechnern) bewusst ausgeklammert. Unter einem Computer wird nachfolgend nur ein programmgesteuerter digitaler Rechenautomat (oder: eine digitale Datenverarbeitungsanlage/Re-chenanlage, vgl. KLAR 1989, 7) verstanden und damit die Gesamtheit der Baueinheiten, aus denen ein digitales Datenverarbeitungssystem aufgebaut ist. Nicht zuletzt deswegen, weil der Computereinsatz bisher nicht berücksichtigt wurde, wurde die erste zusammenfassende Charakterisierung zum gegenwärtigen Status der Lexikographie in 1.2.7. als noch vorläufig bezeichnet. Allerdings ist diese Statusbestimmung so gehalten, dass sie – wenn der Computereinsatz in der Sprachlexikographie im Folgenden explizit berücksichtigt wird – nicht grundsätzlich geändert, sondern nur in verschiedenen Hinsichten ergänzt werden muss. Wie diese Ergänzungen aussehen können, wird nachfolgend schritt-weise erarbeitet. Dabei wird schließlich die wissenschaftliche Lexikographie berücksichtigt. Mit dieser Einschränkung soll aber nicht zum Ausdruck gebracht werden, dass der Einsatz von Computern in der nichtwissenschaftlichen Lexikographie nicht möglich ist oder dass es derzeit keine lexikographischen Prozesse gibt, in welchen nichtwissenschaftliche Wörterbücher mit Computerunterstützung entstehen. Nachfolgend wird in mehreren Schritten vorgegangen. Der erste Schritt besteht darin, dass in 1.5.1. der lexikographische Prozess ohne Computereinsatz im Anschluss an 1.2.4.3. näher betrachtet wird. Dies geschieht nicht unter allen für die systematische Behandlung von lexikographischen Prozessen relevanten Aspekten, sondern mit dem relativ eingeschränkten Zweck, im zweiten Schritt in 1.5.2 einsichtig zu machen – um es hier möglichst generell auszudrücken – welche lexikographischen Handlungen vom Computereinsatz wie betroffen sind. Dadurch wird, wenn auch nur in genereller Weise, deutlich, was unter computerunterstützter Lexikographie zu verstehen ist. Im dritten Schritt wird in 1.5.3. dargelegt, was unter Computerlexikographie verstanden werden kann, so dass diese beiden Arten von Lexikographie gegeneinander abgegrenzt werden. [3]
⠀ Deklination des Substantivs. – Adresse von der Ressource: https://www.verbformen.de/deklination/substantive/?w=lexikographie
⠀ Claudia Kunze, Lothar Lemnitzer. Computerlexikographie. – Adresse von der Ressource: https://docplayer.org/36256799-Computerlexikographie.html
⠀ Herbert Ernst Wiegand. Part of the multi-volume work Wörterbuchforschung. – Adresse von der Ressource: https://doi.org/10.1515/9783110802467