Arealtypologie
Arealtypologie linguistische Disziplin, die sich mit den typologischen Besonderheiten von Sprachen in bestimmten, abgegrenzten Gebieten befasst. Ihr Gegenstand sind die sogenannten Sprachbünde.
Die Arealtypologie befasst sich mit den typologischen Eigenschaften, die Sprachen aufgrund ihrer geographischen Nähe gemeinsam ausgebildet haben.
Die Areallinguistik ist mehr auf Dialekte ausgerichtet, die Arealtypologie mehr auf (benachbarte) Sprachen.
„Auch die Arealtypologie ist damit befaßt, Übereinstimmungen auszumachen, die in strukturell verschiedenen Sprachsystemen unter vergleichbaren Gesichtspunkten von Fall zu Fall bestehen.“ [2]
„Der identifizierte Sprachtyp entspricht in der Arealtypologie einem arealen Individualtyp (Isoglossenbündelung als Kombination paralleler sprachlicher Eigenschaften).“ [2]
Sprachtypologie: Linguistik Untergeordnete Begriffe: Arealtypologie, Idealtypologie, Wortstellungstypologie Anwendungsbeispiele: Die Sprachtypologie teilt Sprachen entsprechend ihren strukturellen Eigenschaften in Sprachtypen ein
Sprachgeographie: …zeigen. Sprachgeographie wird z.T. mit Areallinguistik gleichgesetzt, die aber nicht auf Dialekte beschränkt ist, z. B. wenn sie als Arealtypologie betrieben wird. Die Sprachgeographie ist eine linguistische Methode, die Übereinstimmungen und Unterschiede… [2]
Sprachvergleich: …Sprachvergleiche sowohl historisch (Historiolinguistik) als auch strukturell durchführen. Der strukturelle Sprachvergleich kann areal (Arealtypologie), kontrastiv (kontrastive Linguistik/Sprachdidaktik) oder typologisch (Sprachtypologie) orientiert sein. [2]
Typologie: Klassifikation Untergeordnete Begriffe: Arealtypologie, Sprachtypologie, Texttypologie Anwendungsbeispiele: In vielen Wissenschaften gibt es eine Typologie als Spezialdisziplin, die die Aufgabe hat, ihre Gegenstände in Typen einzuteilen. [2]
Areal: Areallinguistik, Arealsprache, Arealtypologie Übersetzungen Englisch: area Esperanto: arealo Französisch: aire (weiblich) Polnisch: areał (männlich); obszar (männlich) Russisch: зона, район Schwedisch: areal, område Spanisch: área (weiblich) Tschechisch: areál (männlich). [2]
Die Arealtypologie hat ihre Wurzeln sowohl in der allgemeinen Typologie als auch der Sprachgeographie. Um den Versuch einer Abgrenzung des Gegenstandsbereich der Arealtypologie zu diesen zwei Disziplinen durchführen zu können, sollen zuerst die Gegenstandsbereiche von Typologie und Dialektologie kurz dargestellt werden.
Die allgemeine Typologie hat erstens die Aufgabe, ein taxonomisches System zu etablieren, mit dessen Hilfe sich Sprachen unabhängig von ihrer genetischen Zugehörigkeit beschreiben und klassifizieren lassen. Es gilt, verschiedene tertia comparitionis zu bestimmen und deren Emanationen in den Sprachen der Welt zu beschreiben.
Als nächstes sollen die gefundenen Merkmale Kategorien, Prozeduren etc. sprachübergreifend verglichen werden. Dieser Vergleich kann partiell in verschiedenen linguistischen Subsystemen (Phonologie, Morphologie, Syntaxys, Semantik etc.) durchgeführt werden, er kann aber auch 'ganzheitlich' erfolgen, d.h., es wird jeweils das gesamte (Einzel-)Sprachsystem betrachtet und mit anderen (Einzel-)Sprachsystemen verglichen. Der letztere Vergleich zielt meistens, ganz im Sinne erster linguistischer 'Typen'-Definitionen darauf ab, eine typologische Charakterisierung von Sprachen durchzuführen. Durch diese 'Charakterisierung' sollen Sprachen nicht nur klassifiziert werden, es sollen v.a., die zugrundeliegenden 'Baupläne', die latenten Mechanismen der Sprache aufgedeckt, beschrieben u.U. erklärt werden. Typologie im klassischen (oder ganz einfach auch im wortwörtlichen) Sinn ist also nicht das, was gerade heutzutage oft als Typologie bezeichnet wird, nämlich der sprachübergreifende Vergleich von einzelnen Merkmalen, Kategorien etc. bzw. die 'typologische Beschreibung' (Angelika Wagner, Was ist ein 'linguistisches Areal'?). [3]
Allerdings wird in der Arealtypologie der Terminus „Areal“ meistens als Allgemeinbegriff verwendet und bezeichnet dabei die Verschnittmenge mehrerer Strate (Verbreitungsgebiete einzelner Sprachmerkmale). Doch kommt daneben auch die Verwendung als Partikulärbegriff vor, worauf Masica 1971: 5 explizit hinweist. In der Dialektometrie ist für die Bezeichnung signifikanter Raumaggregate quantitativen Zuschnitts seit einiger Zeit der Terminus „Chorem“ üblich, der gut in das in der Linguistik übliche Terminologie-Schema nach dem Vorbild von Phonetik/Phonemik etc. passt. Diese Problematik kommt überdies nicht nur im Rahmen der Sprachgeographie vor, sondern auch überall dort, wo matrizenartig angelegte Datenbasen (Schema N mal p: siehe Figur 1) zur Verfügung stehen, das heißt in allen Humanwissenschaften mit räumlich stratifizierten Massendaten. Im wissenschaftshistorischen Rückblick ist festzustellen, dass es in Sprachgeographie beim methodisch korrekten Umgang mit den Dimensionen des Besonderen und des Allgemeinen bis heute eigentlich immer gehapert hat. So beruht die weiter unten [Angelika Wagner, 31-35] beschriebene Diskussion um die Existenz von Dialekten und die Arealnormativik von M. Bartoli [4] auf diesem Defizit. Aus wissenschaftsvergleichender Perspektive ist zweierlei festzustellen:
1) dass das angezeigte Defizit Teil eines gewaltigen Forschungsdilemmas ist, das sich vom „Großen Universalienstreit“ des Hoch- und Spätmittelalters bis zur „Konstruktivismus-Problematik“ des 20. Jhs. erstreckt (cf. Stegmüller 1978);
2) dass zwar zahlreiche Wissenschaften von dieser Problematik betroffen waren, aber nur selten versucht wurde, diese durch wissenschaftstheoretische Reflexionen und/oder interdisziplinäre Vergleiche zu lösen. Exemplarisch dafür ist die Selbstbesinnung der Geographie in den 70-er Jahren. [4]
⠀ Deklination des Substantivs Phonetik mit Plural und Artikel. – Ressource: https://www.verbformen.de/deklination/substantive/?w=typologie
⠀ Arealtypologie. Wörterbedeutung.info. – https://www.wortbedeutung.info/Arealtypologie/
⠀ Angelika Wagner. Was ist ein 'linguistisches Areal'? Methodologisch-theoretische Problemstellungen bei der Entstehung einer linguistischen Konzeptualisierung Diplomarbeit. https://unipub.uni-graz.at/obvugrhs/download/pdf/211001?originalFilename=true