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Linguistik

Diskursive Theorie

Die diskursive Theorie, deren Öffentlichkeitsmodell auch als deliberatives Modell bezeichnet wird, baut auf den Vorstellungen der partizipatorischen liberalen Theorie auf, auch hier geht es um die Partizipation unterschiedlicher Akteure an der Öffentlichkeit. Hinzu kommen die Fragen nach der Qualität und der Rationalität der Öffentlichkeit. Durch öffentliche Diskurse soll es zum Austausch unterschiedlicher Argumente verschiedener Akteure kommen, es soll "Verständigung durch Kommunikation" erzielt und Probleme sollen gelöst werden. Durch den Diskurs soll es zu gegenseitigem Verstehen und letztlich einem Konsens kommen. Ein wichtiger Vertreter dieser Theorieströmung ist Habermas (1992, vgl. dazu auch die "Theorie des kommunikativen Handelns"). [2] Für den Diskurs ist es unerheblich, von wem ein Argument vorgebracht wird. Die erwähnte Definitionsmacht ist damit theoretisch unerheblich. Es geht nur darum, dass anhand der besten Argumente Konsens erzielt wird. Als entscheidende Kriterien für einen funktionierenden Diskurs werden dabei die Diskursbereitschaft, gegenseitiger Respekt der Akteure sowie geteilte Normen und Werte der Akteure angesehen. (vgl. Ferree/Gamson/Gerhards/Rucht 2002, Gerhards 1997, Habermas 1992, 1996) [2]
Es ist notwendig, die verschiedenen Ansätze, die heute das theoretische Feld der Diskurstheorie und Diskursanalyse französischer Provenienz kennzeichnen, vorzustellen, ihre Beiträge zu versammeln und auf das Untersuchungsinteresse hin zu systematisieren. Insbesondere mit den Arbeiten Michel Foucaults ist die Diskurstheorie als soziologische Theorie aufgegriffen worden und wird heute zum Kanon des etablierten soziologischen Theorienbestands hinzugerechnet. Spätestens mit Foucaults Bestimmung des Konzepts von Diskurs löst sich dieses aus seiner ursprünglichen disziplinären Verortung innerhalb der Sprachwissenschaft, insbesondere der Linguistik. Diskurse sind damit nicht mehr einfach Sprachstrukturen, die die grammatikalische Ordnung oberhalb der Satzebene darstellen und Diskursanalyse bezeichnet damit nicht mehr die formale Analyse der Textstruktur. Diskurse sind vielmehr als Formen von strukturierter und strukturierender Praxis bestimmt, so dass der Begriff der diskursiven Praxis an die Stelle des Begriffs Diskurs tritt. Diskursanalyse schließt dann auf die den Texten unterliegende Praxis der Wissenskonstruktion und sucht die Ordnung des Wissens und dessen Entstehung zu rekonstruieren. Mit dieser Öffnung des Diskurskonzeptes geht die Entstehung einer Zwischendisziplin „Diskurstheorie“ einher, die sich verorten lässt zwischen Soziolinguistik und Bereichen der Soziologie (etwa der Wissenssoziologie, den so genannten Cultural Studies, der Geschlechtersoziologie, der Mediensoziologie), aber auch der Geschichtswissenschaft, Wissenschaftsgeschichte u. a. [3]
Ausgegangen wird hier von solchen diskurstheoretischen Ansätzen, die dem Diskurs eine eigenständige Wirkmächtigkeit zusprechen.59 Diese Diskurstheorien weisen wie die Distinktionstheorie eine konstruktivistische Grundsicht auf. Diskurse sind eigene Realitäten, die soziale Praxis (Handlung) strukturieren und soziale Ordnung konstituieren. Hier ist die Foucaultsche Diskurstheorie der zentrale Bezugspunkt für eine Reihe von daran anschließenden Entwicklungen. Die Diskurstheorien, die hier zusammengestellt werden sollen, stellen im Vergleich zur Bourdieuschen Theorie ein starkes Modell des Diskurses zur Verfügung. Eine diskurstheoretische Erweiterung von Lebensstil- und Milieuanalyse, kann hier anknüpfen, um die in den Theorien des Diskurses behaupteten Eigenrealitäten von Diskursen als Konstitutiva von kollektiven Ästhetiken und Entwürfen für Lebensstile sowie deren medialer Repräsentation anzuwenden. [3]
Diskurs(e) als sprachliche Performanz(en): Foucault versteht unter Diskurs(en) generell die „Bildung von Wahrheiten in Denksystemen“ (Ruoff, 2009, 15) als „Tatbestände überindividuellen Daseins“ (Schäfer, 2019, 32); als deren kleinste Einheit „Ensembles diskursiver Ereignisse“ (Foucault, 2017a, 37) bzw. „eine Menge von sprachlichen Performanzen“ (Foucault, 2018, 156). Die „diskursive Praxis“, die sich als „irreduzibel auf das Sprechen und die Sprache“ (Foucault, 2018, 74) erweist, unterliegt dabei „determinierten Regeln ... die Wirkungsbedingungen der Aussagefunktion“ (Foucault, 2018, 171). [4] Im Laufe seines Werkes schenkt Foucault auch extradiskursiven Einflussfaktoren zusehends mehr Beachtung (Parr, 2014, 235;237). [4]
Diskurs als Wahrheitsgenerator: Was als wahr gilt, wird demnach im „immerwährenden Wahrheitsspiel […]“ (Schäfer, 2019, 51) prozessual verhandelt, wodurch der Diskurs zu gesellschaftlichen Strukturprinzip avanciert, welches das Wahre nicht nur aushandelt, sondern „mit spezifischen Machtwirkungen“ (Foucault, 1978, 53) ausstattet. Das heißt, dass man nur im Wahren ist, „wenn man den Regeln der diskursiven ›Polizei‹ gehorcht“ (Foucault, 2017a, 25). So leuchtet es ein, dass Foucault als „glückliche[r] Positivist“ (Foucault, 2018, 182) nicht den Zusammenhang zwischen Sprache und außersprachlicher Realität traktiert (Ullrich, 2008, 20f.). Seine Diskurstheorie ist geprägt von der Frage, wie der Diskurs selbst Gegenstände, Realität und Wahrheit schafft. Der Diskurs ist für ihn somit regulativ-einschränkend, aber auch ein dynamischer Ermöglichungsraum. Er ist Struktur und Ereignis zugleich (Bublitz, 2003, 49f.). Und er ist ein Medium, in dem sich innerhalb menschlicher Beziehungen Macht auf unterschiedlichen Ebenen generiert und zugleich manifestiert, in dem die Macht „wie eine Schlacht [gewonnen] und genauso verloren [wird]“ (Foucault, 1976, 114). [4]
Diskurs als Rahmen und das dezentrierte Subjekt: Insofern Diskurse die gegenwärtige(n) Realität(n) von vorneherein prägen, gibt es nichts, was nicht schon durch existierende(n) Diskurs(e) vorgeprägt ist. Das Subjekt generiert für Foucault demnach nicht den Diskurs, sondern der Diskurs das Subjekt. Insofern erweist sich Foucaults Theorie als „ein Konstruktivismus ohne Konstrukteure“ (Keller, 2011, 128). Somit geht Foucault gegen den „Mythos vom autonomen Vernunftsubjekt“ (Strüver, 2009, 70) an und akzentuiert in seinen Sprach- und Denkspielen um Macht, Wissen und Subjekt auf die Historizität, Kontextualität und Diskursivität menschlichen Denkens und Handelns (Ruoff, 2009, 197; Strüver, 2009, 69-71). So wird das Subjekt nicht durch ein „jedem Sprechen vorhergehende[s] Bewusstsein hergestellt, sondern durch die Spezifität einer diskursiven Praktik“ (Foucault, 2018, 82), sodass das Subjekt geradezu verschwindet „wie am Meeresufer ein Gesicht im Sand“ (Foucault, 2017b, 462). Dieser häufig verkürzt als „Tod des Subjekts/Menschen“ gebrandmarkte Aspekt ist Gegenstand vieler Diskussionen (Bublitz, 2003, 11f.; Keller, 2011, 124-126), wobei Foucault selbst sowie der wissenschaftliche Mainstream das Subjekt als Mitte seines Denkens begreifen (Foucault, 1987, 243f.; Foucault, 1992, 12; Ruhstorfer, 2004, 53-55). [4]
Analytische und machtkritische Diskurstheorie: Auch wenn Foucault nicht die Mittel der Negation bzw. der Dialektik mit der Kritischen Theorie teilt, geht seine Diskurstheorie über das Moment der Analyse von Diskursen hinaus (Lüders, 2004, 58). Die in seinem Werk virulente Frage nach der Wahrheit, aber auch die für ihn zunehmend wichtiger werdende Frage nach asymmetrischen Machtbeziehungen in Diskursen/Systemen implizieren den Impuls, bestehende Praxis zu hinterfragen (Bublitz, 2003, 9f.). Diskurskritik vollzieht sich dabei vor allem als Beschreibung von „Formen der Ausschließung der Einschränkung [und] der Aneignung“ (Foucault, 2017b, 38). Unter anderem durch diesen kritischen Bezug zur diskursiven Praxis bleibt sein Diskursbegriff – anders als die in seinen Augen vor der Realität flüchtende Phänomenologie (Keller, 2011, 128) – stets angekoppelt an den realiter vorhandenen „Fluss von Wissen bzw. sozialen Wissensvorräten durch die Zeit“ (Jäger, 2012, 26). [4]
So vielfältig die benannten Aspekte erscheinen, so vielfältig sind auch die faktischen und denkmöglichen Rezeptionsweisen – und das durchaus im Sinn Foucaults. Dieser bezeichnete seine Bücher auch als „kleine Werkzeugkisten“ (Foucault, 1976, 53), aus denen man sich bedienen könne.
Diskurs als Metareflexion kommunikativen Handelns: Menschliches Handeln, das den Ausgangs- und Zielpunkt Habermas’scher Theoriebildung darstellt, lässt sich zunächst in teleologisches (bzw. strategisches, instrumentelles), normreguliertes, dramaturgisches sowie kommunikatives Handeln einteilen (Habermas, 1985, 126-151). Das kommunikative Handeln unterscheidet sich insofern fundamental von weiteren Handlungsformen, als sich die Kommunikationspartnerinnen und Kommunikationspartner reflexiv aufeinander sowie auf die gegebenen Handlungsmodi beziehen, ihre Egozentrierung überwinden und das Ziel einer gemeinsamen Handlung intendieren (Habermas, 1985, 385). Während dabei Sinnzusammenhänge naiv vorausgesetzt sind, werden im Diskurs „problematisierte Geltungsansprüche zum Thema gemacht, aber keine Informationen ausgetauscht“ (Habermas, 1972b, 115). Diskurs ist im Habermas’schen Universum also die „reziprok-reflexive Form kommunikativen Handelns“ (Peukert, 2009, 264) bzw. eine Metareflexion vorhandener (non-)verbaler Interaktionen, die entweder angestoßen ist durch Dissens oder auch auf einen solchen hinweist (Günther, 2009, 304f.). Insofern Dissens und Diskurs zusammenhängen, bestätigt der Diskurs nicht bestehende Handlungsgefüge und präfiguriert das Subjekt, sondern bildet eine „Gegeninstitution schlechthin“ (Habermas, 1972a, 201). [4]
Diskurs als dynamischer Prozess zur Ermittlung von Normen: Bedeutung kommt dem Diskurs nun insofern zu, als er ein „Durchlaufen des Weges zu Einsichten an der Kette von Gründen“ (Wingert, 2002, 352) darstellt. D.h.: Welches Handeln als wahr gelten kann, steht nicht von vorneherein fest. Vielmehr müssen alle Betroffenen die Folgen der zu prüfenden Norm akzeptieren (Universalisierungsgrundsatz [Habermas, 1985c, 75f.]) und den zu etablierenden Normen zustimmen (Diskursprinzip [Habermas, 1992, 138]). Der Weg zur Gerechtigkeit vollzieht sich also durch „die argumentative Einlösung der Geltungsansprüche in einem praktischen Diskurs“ (Forst, 2009, 306). So ist schließlich Moralität zu sehen „als das Ergebnis der rationalen Form des Diskurses“ (Lindner, 2017, 83). Im Blick ist dabei primär der gesellschaftliche bzw. institutionalisierte Diskurs, wobei die Klärung von Argumenten und Werten sich erst durch die Vielzahl von individuellen Auseinandersetzungen herausbildet.
Herrschaftsfreier Diskurs mit dem Ziel des Konsenses: Letztlich zielen Habermas‘ Reflexion über Moral, Recht und Gesellschaft auf „die Herstellung einer herrschaftsfreien Kommunikation […], die zu einem gesellschaftlichen Konsens in moralischen und rechtlichen Normen führen soll“ (Türk, 2010, 12). Die Bedingung der Möglichkeit einer solch idealen Kommunikation besteht in der Einhaltung von Diskursregeln. Diese sieht der Philosoph in der Wahrheit und Verständlichkeit der Aussagen, der Wahrhaftigkeit des Aussagenden sowie der Richtigkeit des Geäußerten (Habermas, 1989, 353-358;440). Somit kommt der Diskurs nicht um der Selbstanalyse willen in den Blick, sondern mit dem normativen Ziel eines idealen Diskurses. Für die theologische Rezeption ist es zudem nicht unwichtig, dass der späte Habermas dazu nicht nur die Philosophie als Hüterin der Rationalität (Habermas, 1985b, 26f.) in der Pflicht sieht, sondern auch Religionen als wichtige „Ressourcen der Sinnstiftung“ (Habermas, 2001, 22) schätzt, die es in post-säkularen Zeiten zum Nutzen der Gesellschaft zu bewahren bzw. zu heben gilt (Schambeck, 2012, 85). [4]

Quellen:

⠀ Theorie. Deklination des Substantivs. – Ressource: https://www.verbformen.de/deklination/substantive/?w=Theorie

⠀ https://www.univie.ac.at/sowi-online/esowi/cp/staatpkw/staatpkw-13.html

⠀ Johannes Heger. Diskurstheorie. – Ressource: https://www.bibelwissenschaft.de/wirelex/das-wissenschaftlich-religionspaedagogische-lexikon/wirelex/sachwort/anzeigen/details/diskurstheorie/ch/6de455904ed73f1a0dc4467982f4067d/#h3

die Wortarten Substantiv
Одушевленное/неодушевленное abstrakt
Genger feminin
Singular
Nominativ die Theorie
Genitiv der Theorie
Dativ der Theorie
Akkusativ die Theorie
Plural
Nominativ die Theorien
Genitiv der Theorien
Dativ den Theorien
Akkusativ die Theorien