Benefaktiv
1) Linguistik, speziell Kasusgrammatik und Valenzgrammatik: semantische Funktion/semantische Rolle der Person oder Organisation, die von dem im Satz dargestellten Vorgang als Nutznießer oder Geschädigter betroffen ist
2) Linguistik: in einigen Sprachen (darunter Baskisch) ein eigener Kasus des Kasussystems für den Nutznießer oder Geschädigten
Begriffsursprung
zugrunde liegt das lateinische benefactus, Partizip Perfekt des Verbs benefacere „gut tun, wohltun“
Gegensatzwörter
1) Agens, Patiens und viele andere Konzepte
Übergeordnete Begriffe
1) Tiefenkasus
2) Kasus
Anwendungsbeispiele
1) In der Kasusgrammatik ist der Benefaktiv der Kasus des von der Handlung Betroffenen.
1) In dem Satz „Ich habe dir leider die Vase zerdeppert“ steht „dir“ für den Benefaktiv.
1) Der Benefaktiv ist eine semantische Funktion einer Wortgruppe beziehungsweise ein Tiefenkasus.
2) Im Baskischen gibt es einen eigenen Kasus Benefaktiv (Oberflächenkasus).
https://www.wortbedeutung.info/Benefaktiv/
Der Benefaktiv ist eine semantische Rolle, die oft in der Deklination durch einen Kasus ausgedrückt wird. Der Begriff bezeichnet Handlungsteilnehmer, die Nutznießer (oder Geschädigte) einer Handlung sind. In vielen Sprachen gibt es hierfür keinen eigenen Kasus, sondern es wird, wie auch im Deutschen, der Dativ verwendet. Das Baskische jedoch verwendet hierfür ein Suffix -(r)entza(t) anstelle des Dativs, der mit -ri gebildet wird. Auch in anderen Sprachen, wie z. B. dem Quechua, kommt diese Kategorie vor.
Ein Beispiel aus dem Baskischen:
liburu-a lagun-entza-ko da
Buch-das Freund-Benefaktiv-Relational ist
„Das Buch ist für einen Freund.“
https://de-academic.com/dic.nsf/dewiki/154730
Die genannten Rollen werden nicht in allen Ansätzen voneinander abgegrenzt, so werden beispielsweise ADRESSAT, BENEFAKTIV und REZIPIENT bisweilen unter REZIPIENT zusammengefasst. Im Rahmen der Grammatik der deutschen Sprache wird von einer sehr abstrakten Rolle OBJEKT ausgegangen, die generisch etwas beschreibt, das eine Veränderung seines Ortes oder seiner Zugehörigkeit erfährt bzw. als Mitteilungsinhalt im Mitteilungsakt erst seine konkrete Konstitution erfährt (entsprechend die Rolle Objective in Fillmore (1968)). Die Rolle OBJEKT wird in anderen Ansätzen wie in obiger Liste dargestellt in THEMA, PATIENS usw. unterdifferenziert. Teilweise unterscheiden sich identisch benannte Rollen bei verschiedenen Autoren voneinander, so wird die Rolle QUELLE bisweilen auch auf den Vorbesitzer in einer Transaktion angewandt. Über die oben angeführten hinaus wird in der Literatur eine Reihe weiterer Rollen diskutiert, beispielsweise KOMITATIV (Begleiter des AGENS bei einer Handlung).
https://grammis.ids-mannheim.de/terminologie/937
⠀ https://www.wortbedeutung.info/Benefaktiv/