Asyndeton
Wort- oder Satzreihe, deren Glieder nicht durch Konjunktionen miteinander verbunden sind (z. B. „alles rennet, rettet, flüchtet“, Schiller)
ateinisch asyndeton < griechisch asýndeton, zu: a- = nicht, un- und sýndetos, syndetisch
https://www.duden.de/rechtschreibung/Asyndeton
Das Asyndeton ist ein Stilmittel der Rhetorik, das uns in Texten aller Art und literarischen Gattung begegnet. Das Asyndeton ist eine Aufzählung (vgl. Enumeratio) von mindestens drei Wörtern oder Satzgliedern, die gleichgestellt und nicht durch eine Konjunktion (Bindewort) verbunden sind. Prinzipiell sind aber auch größere Satzteile denkbar. Das Gegenstück ist das Polysyndeton.
Das Wort leitet sich aus dem Griechischen ab (ἀσύνδετον) und lässt sich mit unverbunden übersetzen. Die Übersetzung der Stilfigur zeigt also, worum es grundsätzlich geht: mehrere Wörter, die aufeinanderfolgen, aber eben nicht [durch ein Bindewort] miteinander verbunden sind und wie eine Aufzählung wirken.
Hinweis: Eine Konjunktion ist eine Wortart, die eine Verbindung zwischen Wörtern, Wortgruppen, Satzgliedern oder Sätzen herstellt. Beispielsweise sind die Wörter ‚und, oder, weil‘ Konjunktionen unserer Sprache, da sie als Bindeglieder zwischen sprachlichen Elementen fungieren.
Stehlen, morden, huren, balgen –
Heißt bei uns nur die Zeit zerstreuen. –
Morgen hangen wir am Galgen, –
drum laßt uns heute lustig sein
Das asyndetische Beispiel findet sich im vierten Akt von Friedrich Schillers Die Räuber.
Die Wirkung auf den Leser ist sehr eindeutig: die Abschnitte sind gerafft, ein wenig hektisch und ungeordnet. Demnach kommen asyndetische Wendungen häufig dann zum Einsatz, wenn innere Zerrissenheit oder Spannung und eine Dynamik des Geschehens impliziert werden sollen.
Asyndeton adversativum (gegensätzliches Aufzählen): zwei Asyndeta werden gegenübergestellt.
Beispiel: Fahrrad, Bollerwagen, Tretroller werden weniger Kosten als Auto, Motorrad, Privatjet
Asyndeton consecutivum (folgerndes Aufzählen): Aus dem Asyndeton resultiert eine Schlussfolgerung.
Beispiel: Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum — wer nicht fragt bleibt dumm [Theme der ‚Sesamstraße‘].
Asyndeton enumerativum (unzählbares Aufzählen): Soll zeigen, dass das Aufgezählte unfassbar ist.
Beispiel: Wenn Rentner, Piloten, Arbeitslose, Lehrer auf die Straße gehen, läuft irgendwas schief.
Asyndeton explicativum (Erklärende Aufzählung): Ist ein Asyndeton, das Zusammenhänge erklärt.
Beispiel: Venus, Mars, Jupiter, Merkur sind Planeten und können von der Erde betrachtet werden.
Asyndeton summativum (resultierendes Aufzählen): Aufzählung wird in einem Ergebnis gebündelt.
Beispiel: Was gibt es schöneres, lebendigeres, spannenderes, umwerfenderes als Sprache?
https://wortwuchs.net/stilmittel/asyndeton/
Unverbundene Aufzählung, Aneinanderreihung ohne Konjunktionen.
Das Asyndeton erzeugt durch Kürze und Verknappung eine große Prägnanz und verstärkt so die Aussage. Im Unterschied zur Klimax ist die Aneinanderreihung meist keine Steigerung, sondern betrifft gleichwertige und grammatikalisch gleichgestellte Wörter.
Das Asyndeton kann u. a. dazu dienen, besondere Merkmale oder Inhalte aus dem Zusammenhang herauszuheben – sozusagen unkommentiert in den Raum zu stellen – und damit die Wirkung zu intensivieren.
"Mein Haus. Mein Auto. Mein Boot." (Werbezitat)
Das rhetorische Mittel kann auch Dynamik, Hast oder Übermaß ausdrücken:
"Alles rennet, rettet, flüchtet" (Lied von der Glocke, Friedrich Schiller)
"Weihnachtszeit: Die Menschen planen, hetzen, kaufen, konsumieren, schenken, werden beschenkt, tauschen um, fallen um."
In der Lyrik oder als Schlagworte in der Alltagssprache oft verbunden mit der Alliteration.
"Kinder, Küche, Kirche" beschreibt als dreigliedriges Schlagwort die soziale Rolle der Frau im konservativen Wertesystem.
https://punkt-und-komma.net/lektorat/asyndeton-definition
Das „Asyndeton“ ist eine Aneinanderreihung (Aufzählung) syntaktisch gleichwertiger Ausdrücke ohne Konjunktionen. In den Fällen, wo sie unüblich oder ungrammatisch ist, kann sie als Stilmittel eingesetzt werden.
Erläuterungen:
• Gegenstücke zu „Asyndeton“ sind „Monosyndeton“ und „Polysyndeton“.
• Im Lateinischen ist das Asyndeton bei Satzteilen oder Sätzen eine zulässige grammatische Möglichkeit, jedoch vor allem bei Satzteilen weniger üblich als die Aufzählung mit Konjunktionen. Als Stilmittel kann man es insofern betrachten, als es eine Abwechslung zwischen verschiedenen Aufzählungstypen ermöglicht (Variation) und bevorzugt wird, wo eine prägnante Kürze des Ausdrucks gewünscht ist. Im Deutschen ist die konjunktionslose Aufzählung bei Sätzen häufig, bei Satzteilen aber unüblich, im Altgriechischen in allen Fällen ungrammatisch, sodass das Asyndeton im Deutschen bei Satzteilen, im Griechischen in allen Fällen als Stilmittel betrachtet werden muss.
Beispiele
÷ Vēnī, vīdī, vīcī. Ich kam, ich sah, ich siegte. (zugleich eine Alliteration)
(Ausspruch Cäsars nach einer Schlacht, berichtet von Plutarch)
÷ Avāritia superbiam, crūdēlitātem, deōs neglegere, omnia vēnālia habēre ēdocuit.
Die Habgier lehrte Hochmut, Grausamkeit, die Götter zu vernachlässigen, alles für Geld
anzubieten. (Sallust: Dē coniūrātiōne Catilīnae 10)
https://learnattack.de/schuelerlexikon/latein/asyndeton
⠀ https://www.duden.de/rechtschreibung/Asyndeton